Marktkommentar
25. Juli 2025
Trump gegen Powell: Zinsstreit geht in die nächste Runde
- Fed hält an Zinspause fest
- Amtszeit von Powell endet im Mai 2026
Das Gezerre zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank Fed Jerome Powell geht in die nächste Runde. Anfang der Woche heizte US-Finanzminister Scott Bessent die Spekulationen über die Zukunft Powells erneut an. Bessent stellte die Frage in den Raum, ob die Fed bei ihren Aufgaben erfolgreich gewesen sei und kritisierte die Notenbanker, die Zinsen wegen der Zölle nicht gesenkt zu haben. Die Auswirkungen einer Entlassung Powells auf die Märkte bleibt offen, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
Fed wartet auf Auswirkungen der Zölle
Die Amtszeit von Jerome Powell, der seinerzeit von Trump in sein Amt berufen wurde und nun in Ungnade gefallen ist, endet im Mai 2026. Trump hatte von der Fed zuletzt immer wieder weitere Zinssenkungen gefordert. Die Fed hält derzeit aber an ihrer Zinspause fest und will die Auswirkungen von Trumps Zollpolitik auf Konjunktur und Teuerung abwarten.
Die Diskussion, ob die Inflation bedingt durch die Pandemie ab Frühjahr/Sommer 2021 tatsächlich nur ein „vorübergehendes“ Phänomen war, wie die Fed formulierte, beschäftigt die US-Notenbank noch immer. Tatsächlich gab es von 2021 bis 2023 eine massive, aber zeitlich begrenzte Preissteigerung. Ausgelöst durch Pandemie-Folgen, gestörte Lieferketten und staatliche Hilfsmaßnahmen stiegen die Preise deutlich, bevor sich der Druck ab Mitte 2023 wieder abschwächte. Kritisch war weniger die Diagnose, sondern das späte Handeln der Fed. Trotz deutlicher Warnzeichen hielt sie – rückblickend betrachtet – möglicherweise zu lange an einer lockeren Geldpolitik fest.
Geldpolitik soll nun Stabilität sichern
Nun zeigt sich das gegenteilige Bild. Die US-Wirtschaft wächst langsamer, die Inflation liegt wieder in der Nähe des Zielwerts, und der Arbeitsmarkt zeigt erste Entspannungsanzeichen. Diese Entwicklung ist das Resultat einer verspäteten, aber nun restriktiveren US-Geldpolitik. Frühere Preistreiber wie Lieferengpässe oder Fachkräftemangel sind größtenteils verschwunden. Auch die fiskalischen Impulse wurden zurückgefahren. Gleichzeitig lässt der private Konsum nach – nicht abrupt, aber spürbar. Vor diesem Hintergrund wird klar: Die geldpolitische Strategie muss sich anpassen, weg vom Reagieren auf Überhitzung, hin zur Sicherung von Stabilität.
Werden Zollkosten weitergegeben?
Die Kerninflation in den USA war im Juni mit 2,9% im Jahresvergleich geringer als erwartet. Doch der Teufel stecke im Detail, analysiert die US-Bank J.P. Morgan. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass Unternehmen die Zollkosten an die Verbraucher:innen weitergeben. Besonders auffällig war der deutliche Preisanstieg in importempfindlichen Sektoren, wobei die Inflation bei Haushaltsgeräten besonders hoch ausfiel. Zudem könnte die Vorverlagerung von Importen und Versandverzögerungen, zusammen mit der Drohung höherer Abgaben durch die US-Regierung, bedeuten, dass die volle Auswirkung der Zölle sich noch nicht im Preisdruck widerspiegelt. Trotz der großen Unsicherheit darüber, wo sich die Zölle letztlich einpendeln werden und in welchem Umfang Unternehmen die Zollkosten auf Kosten ihrer Margen weitergeben könnten, deutet der jüngste Bericht darauf hin, dass der Aufwärtsdruck auf die US-Inflation weiter zunimmt.
Unternehmen diversifizieren
Andererseits haben Unternehmen gelernt, flexibel zu reagieren: durch Diversifizierung ihrer Lieferketten, Umstrukturierung von Produkten oder Ausweichen auf andere Märkte. Verbraucher könnten ebenfalls reagieren, indem sie auf günstigere Alternativen ausweichen. Diese Anpassungsfähigkeit reduziert die Durchschlagskraft von Zöllen auf das Preisniveau erheblich. Ein Beispiel: Die kürzlich eingeführten Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge und mexikanischen Stahl haben bislang global kaum Auswirkungen auf die Endpreise gezeigt. Viele Unternehmen verlagern die Produktion nach Vietnam oder Indien. So verpufft ein möglicher Preisdruck, bevor er beim Konsumenten ankommt.
Unübersichtliche Politik
Letztlich zeigt sich, dass erfolgreiche Geldpolitik weniger von der Prognose- als der Anpassungsfähigkeit abhängt. Die Situation im Sommer 2025 wäre in den USA ohne die unübersichtliche Politik Trumps klarer. Die Inflation ist unter Kontrolle, das Wachstum verlangsamt sich etwas, der Arbeitsmarkt bleibt trotzdem robust. Wenn in dieser Lage keine geldpolitische Lockerung erfolgt, könnte dies aber in den nächsten Monaten die weitere wirtschaftliche Erholung gefährden. Entscheidungen der Fed sollten daher primär auf den aktuellen Daten basieren und politische Querschüsse so weit möglich missachten. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Notenbank und eigentlich erwartet niemand, dass Jerome Powell diese für persönliche Vorteile aufs Spiel setzt.
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