Marktkommentar
14. März 2025
Unsicherheit an den Börsen: Wie geht es weiter?
Unsicherheit ist Gift für die Börsen – das ist die einhellige Meinung von Börsenexperten. Wie sehr sie recht haben, zeigten die vergangenen Tage. Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump schickte die Märkte auf Talfahrt. „Speed kills“ ist für Trump keine Option. Das Tempo, mit dem er fast täglich einschneidende Maßnahmen verkündet, raubt vielen den Atem, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
Erst vor ein paar Wochen hatten die Börsen, insbesondere der gehypte USTechnologiesektor, mit dem extrem kostengünstigeren chinesischen KI-Startup „Deepseek“ einen Brocken zu verdauen. Nun sind weitere Verunsicherungen auf der Zollseite wenig hilfreich. Doch ebenso wie Unsicherheit ist auch Angst an den Börsen ein schlechter Ratgeber. Während die Risiken einer protektionistischen Wirtschaftspolitik zunehmen werden, können immer wieder zusätzliche Chancen entstehen. Für den Anleger bedeutet dies, wachsam und flexibel zu bleiben. Vor allem aber gilt weiterhin die Devise, möglichst breit aufgestellt zu sein und den Fokus auf die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten der Märkte zu lenken. Hierfür sind vor allem breit aufgestellte Investmentfonds das Mittel der Wahl.
Problem: US-Handelsdefizit
Zu Trumps MAGA („Make America Great Again“)-Plan zählte auch sein Wahlversprechen, mittels Zöllen, also Abgaben auf Importe, das gewaltige Handelsbilanzdefizit seines Landes abzubauen. Mit der EU beträgt dieses rund 150 Milliarden Euro jährlich. Gegenüber China beläuft sich das Handelsbilanzdefizit sogar umgerechnet auf rund 242 Milliarden Euro. Aber auch andere Länder wie Mexiko, Kanada oder China sind im Fadenkreuz des US-Präsidenten. Meist sind die Gründe wirtschaftlich begründet, manchmal dienen die Zolldrohungen auch dem Erreichen anderer Ziele. So setzte Trump die Grenzsicherung mexikanischer Soldaten durch oder erzielte Fortschritte bei der Drogenbekämpfung in Kanada.
Bereits während seiner ersten Präsidentschaft führte Washington im Jahr 2018 Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte ein. Trump nutzte dafür eine Rechtsvorschrift, die Beschränkungen erlaubt, wenn Einfuhren die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigen könnten. Die EU reagierte mit Vergeltungszöllen auf Harley-Davidson-Motorräder, Bourbon-Whiskey und Jeans. Auch der transatlantische Streit wegen unzulässiger Beihilfen für Airbus und Boeing eskalierte.
Die zwei Seiten einer Medaille
Zölle haben auf den ersten Blick Vorteile für ein Land wie die USA, da sie Importe aus dem Ausland teurer machen und den Absatz heimischer Produkte bevorzugen. Die heimische Industrie wird geschützt und die höhere Nachfrage generiert Arbeitsplätze oder sichert bestehende ab. Auch wird das Wirtschaftswachstum im eigenen Land gefördert und schafft weiteren Wohlstand. Aber es gibt auch eine Kehrseite dieser Medaille.
Die Einführung neuer Zölle führt bei aggressiver Vorgangsweise zu Vergeltungsmaßnahmen in Form von Gegenzöllen, die bis zu einem regelrechten Handelskrieg ausarten können. Auch können Produkte, die in den USA produziert werden, möglicherweise teurer werden, wenn die Vorleistungen größtenteils importiert werden müssen und somit das Gesamtprodukt teurer wird. In der heutigen Wirtschaftswelt sind die Produktionsketten und Lieferketten derart verschachtelt und komplex, dass Unternehmen oft selbst nicht genau wissen, wie hoch der zu verzollende Anteil eines Produktes wäre. Die Verunsicherung in der Wirtschaft wird somit massiv gefördert. Die Erhöhung der Produktionskosten und die Steigerung der Preise können trotz theoretischer Einmaleffekte solcher Zölle zu einem Ansteigen der Inflationsrate führen.
So ist es nicht verwunderlich, dass die US-Notenbank FED in den letzten Wochen die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen deutlich zurückschraubte. Die FED kündigte eine Zinssenkungspause an und will nun abwarten, welche Implikationen die von Trump angekündigten Zölle haben werden. Wenngleich die letzten Konsumentenvertrauensdaten in den USA enttäuschten, so läuft die Wirtschaft in den USA robust und somit ist die Position des Abwartens der FED durchaus nachvollziehbar.
Ein Bumerang?
Wäre die FED aufgrund erhöhter Inflation wegen der neuen Zölle sogar gezwungen die Zinsen wieder zu erhöhen, würde die wirtschaftliche Entwicklung in den USA belastet werden und die Vorteile einer Zolleinführung würden zum klassischen Bumerang werden. Aber auch für Europa oder China sind die Einführung von Zöllen für die ohnedies nicht überschäumende wirtschaftliche Entwicklung sehr belastend. Andere Länder, vor allem in Asien, welche noch nicht auf der Zollliste von Donald Trump stehen, könnten als die heimlichen Profiteure aus den gegenseitigen Zolleinhebungen hervortreten. Ähnlich wie 2018 bei den ersten Zolldrohungen von Donald Trump wichen vor allem chinesische Firmen in das benachbarte Ausland aus, um dort die Waren herzustellen und von dort ohne zusätzlichen Zollbelastungen in die USA zu liefern.
Trumps Schritte folgen einer Logik
Zölle sind trotz großer Bemühungen eines freien Handels aktuell allgegenwärtig. Europa hebt für viele Produkte kräftige Zölle ein. Und so spricht Donald Trump stets von „reziproken Zöllen“. Also Zölle, die genau den bestehenden Zöllen entgegentreten sollen. Bei Fahrzeugen wie Pkw und Lkw verlangt die EU einen um knapp 6 Prozent höheren Zoll als die USA. Schließt Trump die Lücke, wären in diesem Bereich deutsche Exporte im Wert von rund 34 Mrd. Euro betroffen. Ein schwerer Schlag für die Autoindustrie, die sich ohnehin in einem kostspieligen Transformationsprozess weg vom Verbrenner zur E-Mobilität befindet und nochmals belastet wird. Daneben ist vor allem auch der Maschinenbau in ähnlicher Dimension betroffen. Die EU verlangt bei der Einfuhr von Stahl und Aluminium hohe Zölle, vor allem höhere als die USA. Daher müssen Forderungen von Donald Trump nach 25-Prozent-Zöllen für EU-Produkte richtig eingeordnet werden. Sie schmerzen gewaltig, folgen aber sehr wohl einer Logik.
Neue Chancen an den Börsen
Ein zusätzlicher Aspekt von Trumps Politik ist sein Streben nach einem Ende des Krieges in der Ukraine, das er mit teils brachialen Methoden erreichen möchte. Trump wäre wohl nicht Trump, wenn er bei einem „Deal“ nicht auch die wirtschaftliche Seite im Auge hätte. Aus einem Friedens- oder Waffenstillstandsabkommen und dem damit in Fahrt kommenden Wiederaufbau in der Ukraine mit geschätzten Kosten von 500 Milliarden US-Dollar würde eine riesige Nachfrage generiert, von der auch viele börsennotierte Unternehmen profitieren würden. Gelingt dieser Prozess nicht und ist Europa mit der Situation in der Ukraine weitgehend auf sich alleine gestellt, sind gewaltige Investitionssummen in Europa notwendig. Diese würden eine hohe Nachfrage und Beschäftigung generieren, erhöhen aber auch den Kapitalbedarf der führenden europäischen Länder, was wiederum die Kapitalzinsen mittelfristig nach oben treiben könnte.
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