Nachfolge: Die größten Fallen – und wie man sie vermeidet

Private Banking unterstützt bei Betriebsübergabe

Neue Produkte entwickeln, ferne Märkte erschließen, große Kunden gewinnen – alles Herausforderungen, mit denen Unternehmerinnen und Unternehmer täglich konfrontiert sind. Aber alles nichts im Vergleich mit der Aufgabe, das Thema der eigenen Nachfolge im Unternehmen zu regeln. Einige Tipps helfen, die größten Fehler zu vermeiden.

„Der Wechsel an der Spitze eines Familienunternehmens ist für alle Beteiligten ein einschneidendes Ereignis“, weiß auch Mag. Alfred Harl, Obmann der UBIT-Akademie incite. Nicht immer geht das gut aus: „Viele Nachfolgen scheitern an Missverständnissen zur Übergabe“, so Harl. Dass das Thema der Weitergabe des eigenen Unternehmens eines der heikelsten und schwierigsten überhaupt ist, können auch die Expertinnen und Experten vom Private Banking von Erste Bank und Sparkassen bestätigen. Denn häufig sind sie als langjährige Vertraute auch Ansprechpartner für das Thema Nachfolge.

Private Banking Kompetenz für Nachfolgeberatung

Ein Thema, das absolut volkswirtschaftliche Relevanz hat: In den kommenden zehn Jahren werden geschätzt rund 40.000 Unternehmen vor der Nachfolgefrage stehen. Mit einem eigenen Lehrgang zur „Erfolgreichen Nachfolgeberatung“ an der „incite“, der Weiterbildungsakademie des Fachverbandes Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) der WKO, erweitern die Private Banker von Erste Bank und Sparkassen daher gezielt ihre Kompetenzen im Bereich Nachfolge. Punktgenau geht es dabei um die zentralen Fragen einer erfolgreichen Nachfolgeberatung. Dazu gehört auch, die wesentlichen Fehler zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Die häufigsten Fehler. Und was dagegen hilft.

1. Mangelndes Zeitmanagement: Das hat ja noch Zeit.

Ganz entscheidend für das Gelingen der Übergabe ist der Zeitfaktor, der größte Fehler das Hinausschieben auf die lange Bank. Das Gegenrezept: „Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich frühzeitig Klarheit darüber verschaffen, ob und wie die Firma an die nächste Generation übergeben werden soll“, rät Harl. Der ideale Zeitpunkt ist fünf bis zehn Jahre vor dem Abschied. Zentrale Fragen: Soll das Unternehmen verkauft oder in der Familie behalten werden? Soll es künftig von Fremden oder von Familienmitgliedern geführt werden? Wer trifft die Auswahl und nach welchen Kriterien? Hilfreich ist eine solche Checkliste:

Checkliste: Kann er oder sie das?

  • Verfügt der Nachfolger oder die Nachfolgerin über das notwendige Fachwissen zur Übernahme der unternehmerischen Verantwortung? Kann er oder sie sich dieses aneignen?
  • Hat der Kandidat oder die Kandidatin externe Führungserfahrungen sammeln können?
  • Sind der Person die Schlüsselpersonen und die Schlüsselprozesse im Unternehmen vertraut?
  • Schafft es der Nachfolger oder die Nachfolgerin, Dinge immer wieder in Frage zu stellen und zu verbessern, oder wird sich mit dem Erreichten zu schnell zufriedengegeben?
  • Wie ist die Einstellung zum Risiko? Wurde im bisherigen Leben bereits einmal ein Risiko eingegangen? Welches? Und mit welchem Ausgang?
  • Bringt er zu Ende, was er angefangen hat? Auch gegen Widerstände?
  • Verfügt der Nachfolger über eine robuste Gesundheit? Wie verkraftet er körperliche und psychische Belastungen?

2. Falsche Annahmen: Eines der Kinder wird es schon machen.

Die Übergabe eines Unternehmens ist wie ein Duett: Es gehören zwei dazu. Einer der abgibt, und einer, der übernimmt. Wer will, dass die Erben die ihnen angebotene Nachfolge auch antreten, muss sich ihr Commitment erarbeiten. „Umgekehrt haben Kinder keinen automatischen Anspruch auf die Nachfolge“, sagt Mag. Alfred Harl, „aber sie haben einen Anspruch auf Klarheit, damit sie ihre Lebensplanung entsprechend ausrichten können.“ Das Gegenrezept: Ein Generationenvertrag, der alle für die Nachfolge relevanten Fragestellungen regelt und in dessen Erarbeitung die Nachfolger-Generation einbezogen ist.

3. Fehlende Planung: Wir machen das gemeinsam. Und irgendwann ziehe ich mich zurück.

Ein gemeinsames Miteinander von Übergeber und Nachfolger in der Firma macht Sinn, enthält aber erhebliches Konfliktpotential. Zumal die Versuchung für Übergeber, auch über den Tag X hinaus noch eine Art Obergeschäftsführer spielen zu wollen, fast unwiderstehlich ist. Das Gegenrezept: Ein verbindlicher Fahrplan, in dem das Nebeneinander, die Übergabe und der Rückzug eindeutig geregelt werden. Besonders smart ist die Lösung, für die ältere Generation eine neue, aktive Rolle außerhalb des Unternehmens zu finden. Denn wer sein Leben lang gestaltet hat, tut sich schwer, plötzlich nichts zu tun.

4. Emotionalitäten: Es geht um Zahlen und Fakten. Nicht um Gefühle.

Die ältere Generation sorgt sich um ihr Lebenswerk, die jüngere fühlt sich wie Prinz Charles: 71 Jahre alt und noch immer nicht auf dem Thron, weil die Queen nicht abdanken will. Mangelndes Vertrauen; Angst davor, nicht mehr wichtig zu sein; Neid auf einen vermeintlichen Kronprinzen, gekränkter Stolz, Sorgen ums Geld – fast jede Nachfolgeregelung ist auch eine emotionale Gemengelage, in der unterschiedliche Rollen leicht zu einem Dickicht sich widersprechender Interessen führen können. Manche Familienmitglieder sind in der Firma beschäftigt, andere sind nur Gesellschafter. Dann gibt es vielleicht familienfremde Manager, die auch Anteile halten und Schwiegerkinder, die zwar zur Familie gehören, aber keine Gesellschafter sind. Daraus ergeben sich zum Teil überschneidende Rollen mit diffusen Interessenkonflikten. Das Gegenrezept: Ein neutraler Mediator, der gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen erarbeitet. Professionelle und zielführende Unterstützung gibt es auch durch zertifizierte, speziell für Nachfolge-Situationen ausgebildete Unternehmensberater, wie sie etwa in den ExpertsGroups des Fachverbandes UBIT zusammengeschlossen sind.

Fazit: Die Weitergabe des eigenen Betriebes ist eine große Herausforderung, vielleicht sogar eine der größten für Unternehmer und Unternehmerinnen. Die speziell ausgebildeten Fachkräfte des Private Bankings von Erste Bank und Sparkassen unterstützen dabei, auch für dieses Thema eine gute Lösung zu finden.

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