
Unternehmensnachfolge im Fokus: Antworten, die über den Erfolg entscheiden
Die richtigen Antworten zur richtigen Zeit
Die Unternehmensnachfolge ist einer der entscheidendsten Momente für jedes Unternehmen – und gleichzeitig einer der komplexesten. Sie passiert selten, ist emotional geprägt und verlangt weitreichende Entscheidungen. Im Rahmen der Veranstaltung „Vom Lebenswerk zur Zukunft - Expertentalk - Unternehmensnachfolge erfolgreich meistern“ am Donnerstag, dem 26. März 2026 um 18:00 Uhr in der Wirtschaftskammer Schwaz, zu der hochkarätige Referent:innen eingeladen wurden, haben wir einen der Vortragenden Experten dazu interviewt.
Im Gespräch gibt Steuerexperte ao. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Fraberger, Tax Partner bei KPMG Austria, Einblicke in eine spannende unternehmerische Phase. Er berät Unternehmerinnen und Unternehmer rund um Erben, Schenken und Vermögensweitergabe – und weiß aus Erfahrung, wie komplex der Übergabeprozess sein kann. Seine Antworten zeigen: Erfolgreiche Nachfolge beginnt nicht mit Verträgen, sondern mit Verständnis, Struktur und dem richtigen Timing.

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Warum sind solche Themenveranstaltungen wie eingangs erwähnt so wichtig aus Ihrer Sicht?
Die Unternehmensnachfolge ist kein laufender Prozess, sondern eine Ausnahme. Genau das macht sie so anspruchsvoll.
„Der Vorgang einer Unternehmensnachfolge ist ein sogenannter aperiodischer Geschäftsfall“, erklärt Fraberger.
Das bedeutet: Diese Situation tritt meist nur alle 25 bis 35 Jahre ein – und hat enorme Auswirkungen. Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Unternehmen im Übergabeprozess scheitert. Gerade deshalb sind umfangreiche Informationen dazu wichtig. Sie schaffen Bewusstsein für ein Thema, das oft unterschätzt wird, und helfen Unternehmerinnen und Unternehmern, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen. Denn die Nachfolge ist keine Routineaufgabe, sondern eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft des Unternehmens.
Warum sind manche Familien „beratungsresistent“ bzw. beschäftigen sich zu spät mit der Nachfolgethematik?
Die Ursachen liegen häufig nicht im Fachlichen, sondern im Persönlichen. Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, tut sich oft schwer, loszulassen und Verantwortung abzugeben.
Gleichzeitig ist die Nachfolge auch emotional belastet. Es geht um das eigene Lebenswerk – und oft auch um Themen, mit denen man sich nicht gerne beschäftigt, wie etwa das eigene Ableben.
Viele schieben diese Fragen daher vor sich her. Doch genau das erhöht das Risiko für Probleme. Denn ohne rechtzeitige Planung kann Vermögen unstrukturiert weitergegeben werden – mit der Folge, dass mehrere Personen beteiligt sind, die nicht unbedingt gemeinsam an einem Strang ziehen.
Welche steuerlichen Themen sind in einem dynamischen Marktumfeld besonders wichtig?
Steuerliche Fragen spielen bei der Unternehmensnachfolge eine wichtige Rolle – insbesondere vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen. Diskussionen rund um mögliche Erbschafts- und Schenkungssteuern sollte man im Blick behalten. Denn sollten solche Regelungen kommen, könnten sie die Übergabe deutlich beeinflussen. Gleichzeitig gilt: Steuerliche Überlegungen sollten nicht den gesamten Prozess dominieren.
„Das Steuerrecht soll dem Testator nicht die Feder führen“, betont Fraberger.
Entscheidend ist zuerst die inhaltliche Gestaltung der Nachfolge. Die steuerliche Optimierung folgt erst danach.
Welche ersten Schritte empfehlen Sie, wenn eine Betriebsübergabe bzw. Erbschaft ansteht?
Am Anfang steht kein Vertrag, sondern ein Gespräch. Alle Beteiligten sollten gemeinsam klären, welche Vorstellungen sie haben. Wer soll das Unternehmen übernehmen? Wie soll die Zukunft aussehen? Welche Erwartungen gibt es auf beiden Seiten?
„Bevor man juristisch denkt, sollte man klären, was die beteiligten Personen eigentlich wollen“, so Fraberger.
Erst wenn ein gemeinsamer Wille vorhanden ist, macht es Sinn, sich mit rechtlichen und steuerlichen Fragen zu beschäftigen. Ohne diese Grundlage besteht die Gefahr, dass selbst gut geplante Modelle in der Praxis nicht funktionieren.
Welche Fallstricke können auftauchen, wenn der Übergabeprozess nicht aktiv gestaltet ist?
Wenn die Unternehmensnachfolge nicht aktiv gestaltet wird, greifen automatisch gesetzliche Regelungen. Diese orientieren sich jedoch nicht daran, wer ein Unternehmen am besten führen kann. Ein typisches Problem ist die gesetzliche Erbfolge. Vermögen wird dabei auf mehrere Personen verteilt – unabhängig davon, ob diese gemeinsam unternehmerische Entscheidungen treffen können. Auch Pflichtteilsansprüche werden häufig unterschätzt. Werden sie nicht berücksichtigt, können Jahre später Konflikte entstehen.
Fraberger bringt es klar auf den Punkt: „Das Blödeste, was man machen kann, ist nichts zu tun.“
Fazit
Die Unternehmensnachfolge ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, der eine gut überlegte Vorbereitung braucht. Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, schafft die Basis für klare Entscheidungen und stabile Strukturen. Die Antworten aus dem Interview zeigen: Es geht nicht nur um Recht und Steuern – sondern vor allem um Menschen, Erwartungen und die Zukunft eines Lebenswerks.
Vom Lebenswerk zur Zukunft
Expertentalk - Unternehmensnachfolge erfolgreich meistern
Wann: Mittwoch, 26.03.2026 | 18:00 bis 22:00 Uhr
Wo: WK Tirol - Bezirksstelle Schwaz, Bahnhofstraße 11, 6130 Schwaz